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„Musik im Gespräch!“(11/12 2015)

Thorsten PechEin vielseitiger Kirchenmusiker mit Operettenerfahrung!

Thorsten PechEin vielseitiger Kirchenmusiker mit Operettenerfahrung!

 
Konzertorganist und Dirigent Thorsten Pech als Gast von „Musik im Gespräch!“

Thorsten Pech wurde 1960 in Wuppertal-Elberfeld geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung in seiner Heimatstadt. Von 1976 an studierte er Evangelische Kirchenmusik an der heutigen Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Seine Lehrer bis zum Kantorenexamen 1980 waren u. a. der Weseler Domorganist Hanns-Alfons Siegel, die Pianistin Madame Alberte Brun (eine Cortot-Schülerin), Prof. Hartmut Schmidt (Dirigieren) sowie Prof. Jürg Baur und Prof. Norbert Grünhagen (Tonsatz und Komposition). Danach folgte ein Studium im Hauptfach Orgel bei Prof. Hans-Dieter Möller (Künstlerische Reifeprüfung 1983). 1985 absolvierte Pech sein Dirigierstudium in Wien bei Prof. Julius Kalmar, einem Swarowski- und Celibidache-Schüler.

Seit 1977 ist Thorsten Pech als Kantor tätig, zunächst in Düsseldorf-Kaiserswerth, dann in Wuppertal. 1992 nahm er zudem eine freiberufliche Tätigkeit als Konzertorganist und Dirigent auf, die ihn als Solist oder in Kombination mit anderen Instrumenten - wie Trompete und Horn - durch ganz Deutschland und die angrenzenden europäischen Länder führte. Er gastierte inzwischen zweimal an der Hauptorgel des Petersdomes in Rom, und Tourneen führten ihn bis Spanien, Skandinavien, Russland und Japan. Ergänzt wird diese intensive Arbeit durch mittlerweile 26 CD-Produktionen sowie durch Rundfunk- und Fernsehsendungen beim WDR, MDR und ZDF. 1989 übernahm Thorsten Pech die Künstlerische Leitung des Düsseldorfer Bachvereins. 2003 folgte zusätzlich die Künstlerische Leitung als Dirigent des Konzertchors der Volksbühne Wuppertal. Seit 1997 betreut er die kirchenmusikalische Arbeit an der Alten lutherischen Kirche am Kolk sowie der Friedhofskirche Elberfeld, der größten evangelischen Kirche in Wuppertal mit der historischen Wilhelm-Sauer-Orgel. Als Künstlerischer Leiter gestaltet er am Kolk - mit einer bedeutenden Klais-Orgel - die dort stattfindenden „Sommerabendkonzerte bei Kerzenschein“.

Als Komponist von Chor- und Orgelwerken sowie für die Besetzungen Trompete_/_Corno di caccia und Orgel hat sich Thorsten Pech in Fachkreisen wie beim Publikum einen Namen gemacht. So wurde seine „Dresden-Fanfare“ bei der Eröffnung der EKD-Synode 2007 vom ZDF übertragen und inzwischen mehrfach beim Semper-Opernball aufgeführt. Aufgrund der langjährigen erfolgreichen Tätigkeit verlieh ihm der Fachverband Deutscher Berufschorleiter 1998 den Titel „Musikdirektor“. Ausführliche Biografie: www.thorsten-pech.com.

Können Sie sich an Ihre früheste Begegnung mit der Musik erinnern?

Meine Begegnung mit der Musik - im Sinne der klassischen Musik - begann bei mir schon sehr früh im Alter von drei Jahren. Es gibt in Wuppertal einen bedeutenden Knabenchor, die Wuppertaler Kurrende, dem zu seiner Zeit einzigen Knabenchor in der rheinischen Kirche:

Es war in der Adventszeit der 60er Jahre in einem der typischen Quempaskonzerte in einer voll besetzten Kirche. Bei großen Veranstaltungen hatten die Kinder damals nicht unbedingt einen eigenen Platz, sondern saßen in der Regel bei ihren Eltern auf dem Schoß. Es gab an diesem Tag nur noch wenige Notplätze direkt neben dem Orgelspieltisch. Das eigentliche Chorsingen war für mich nicht so sehr von Interesse als vielmehr das Agieren des Organisten. Die ganze Zeit schaute ich nur auf das, was der Organist machte. Von seinen lebendigen, konzentrierten und kraftvollen Bewegungen und von der überwältigenden Klangfarbe der Orgel sowie der Feinheit in den Nuancen des Orgelspiels war ich so fasziniert, dass ich meiner verblüfften Umgebung erklärte: „Das möchte ich auch werden!“

Meine Eltern haben diesen Kinderwunsch schon früh verstanden und unterstützt, auch wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen in meinem Elternhaus sehr begrenzt waren. Bis heute ist mir diese Faszination für die Orgel als „lebendes“, lebendiges Instrument geblieben.

Wie entwickelte sich Ihr Interesse für die Musik weiter?

Im Rahmen der frühkindlichen Musikerziehung konnte ich schon mit fünf Jahren Noten lesen und schreiben, noch bevor ich in der Lage war, Wörter zu lesen oder zu schreiben. Die Handschrift musste erst noch entwickelt werden. Ich konnte die Noten sehr früh auf die Linien setzen, die unterschiedlichen Töne und Längen erkennen und unterscheiden - alles Voraussetzungen, um ein Instrument zu erlernen:

Auch wenn der Blick auf die Tasten eines Klaviers oder einer Orgel mich begeisterten, so war die Blockflöte doch das erste Instrument, das ich in die Hand nahm und erlernte. Sehr bald folgten dann aber die Tasteninstrumente. So kam ich aufgrund meines raschen körperlichen Wachstums auch zum Orgelspiel, weil ich an die Pedale herankam. Da war ich gerade erst einmal acht Jahre alt. Mit elf hatte ich meinen Stimmbruch hinter mir - und singe seitdem in der Stimmlage Bass. Eine „Knabensopran-Karriere“ habe ich nie erlebt, dafür aber in einem gemischten Chor mitgesungen, und dort die ganze Bandbreite der A cappella Literatur von der Gregorianik bis zur Moderne kennengelernt, wobei ein besonderer Schwerpunkt in diesem Kammerchor auf der deutschen Romantik lag.

 
Die beiden Gesprächspartner des Abends: Thorsten Pech, Hartwig Frankenberg.

Was hat Sie motiviert, Musik zu studieren?

Durch meine Entwicklung als Kind und Jugendlicher war der Weg hin zum Musiker eigentlich schon vorgezeichnet. Das war mein festes Ziel, und ich habe alles darangesetzt, um einen schnellen schulischen Abschluss - parallel zu meiner musikalischen Grundausbildung - zu erreichen. Meine musikalische Vorbildung war somit eine optimale Voraussetzung, die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule im Alter von 15 Jahren zu bestehen und mit dem Vollstudium zu beginnen.

Wie würden Sie Ihre beruflichen Stationen in Bezug auf Ihr jetziges Selbst-Bewusstsein als Konzertorganist und Dirigent beschreiben? Wie erleben Sie sich?

Ich erlebe mich in einer großen Dankbarkeit gegenüber dem, was ich durch meine Lehrer und Professoren erfahren habe und erlernen konnte - und dem, was ich nun beruflich tue und bin. Bei all meinen Tätigkeiten weiß ich, dass es immer auch noch eine Spur besser geht. Also: 100 Prozent gibt es nie, weil nach oben immer noch genug Platz ist für weitere Entwicklungen und Verbesserungen. Oder anders gesagt: Es fehlt immer der letzte Moment, um aufzuhören - und das ist gut so und macht mich glücklich! Dies gilt auch für den Umgang mit Gruppen - mit sechzehn begann ich, meinen ersten Chor zu leiten.

Manchmal sagen mir Zuhörer: „Ja, Sie zaubern ja an der Orgel!“ „Nein“, sage ich dann, „ich bin allenfalls der Handwerker“. Einfach der fleißige Handwerker, der gerne arbeitet, im wahrsten Sinne des Wortes, und das oft auch sehr hart und sehr intensiv! Die Musik hat alles schon in sich. Der Musik - also im Sinne von tradierten Werken - muss ich nicht noch eine besondere oder neue Form geben, sondern „nur“ den vorhandenen Strukturen (Partitur) einen Sinn oder eine eigene Prägung verschaffen. Darin sehe ich eine meiner Aufgaben.

 
Der Bachverein im Innenhof der Stiftsbasilika St. Margareta Gerresheim.

Warum sind Sie freischaffender Musiker_/_Kantor geworden?

Im Grunde hat sich das dorthin entwickelt. Vor allem nahm die Tätigkeit als Konzertorganist im Rahmen von auswärtigen Konzerten derart zu, dass dies im Kontext mit der Kantorentätigkeit „vor Ort“ nur zu einer freiberuflichen Gesamtlösung führen konnte. Dennoch ist mir immer wichtig geblieben, dass ich mich mehr als evangelischer Kirchenmusiker und Kantor fühle, als ausschließlich der Konzertorganist und Dirigent zu sein - so wichtig, schön und vielseitig das auch alles ist.

Können Sie vielleicht das Konzept für das musikalische Rahmenprogramm „A cappella Musik“ für heute Abend kurz erläutern?

Die beiden ersten Werke unseres Programms für den heutigen Abend waren sowohl für den Chor als auch für mich sehr wichtig. Mir ist die deutsche Romantik von großer Bedeutung, weshalb die Eröffnung mit einer Mendelssohn-Motette stattfinden sollte. Und natürlich hat ein Bachverein immer ein spezifisches Verhältnis zum Gesamtwerk von Johann Sebastian Bach.

Die darauf folgenden Werke sind für den Düsseldorfer Bachverein eher untypisch, weil sie von uns selten aufgeführt werden. Aber es sind Werke von Komponisten, die in Düsseldorf gewirkt haben wie Robert Schumann, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Jürg Baur. Diese Werke können auch auf die Vielseitigkeit und Aktivität des Bachvereins ein neues Licht werfen und sollen gleichzeitig auch einen Anreiz für die Choristen darstellen. Etwa 4/5 unseres Repertoires sind Werke der Kirchenmusik, die wir in Kirchen aufführen. Und ich halte nichts davon, den Kirchenraum mit allen möglichen Werken als Konzertsaal zu benutzen oder gar zu missbrauchen. Kirche bleibt für mich Kirche.

 
Thorsten Pech am Spieltisch der großen Magdeburger Domorgel.

Was halten Sie von der Kirchenmusik als „musikalische Verkündigung“?

Zwischen der Wort-Verkündigung einerseits und der musikalischen Verkündigung andererseits sehe ich sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche immer wieder Diskrepanzen. Ich wünsche mir eigentlich, dass beide Teile - Wort und Musik - zusammen eine Einheit bilden. Gerade liturgisch geprägte Kirchenmusik ist für mich ganz klar ein - nicht einziger - Bestandteil des Gottesdienstes. Immer wieder werden Kirchenkonzerte viel stärker besucht als Gottesdienste, was man als Zeichen unserer Zeit interpretieren kann.

Bei Kirchenkonzerten legen wir im Düsseldorfer Bachverein wie auch im Wuppertaler Konzertchor viel Wert auf die thematische, ja theologische Einheit einer kirchlichen Konzertveranstaltung. Aus meiner Sicht darf sich Kirchenmusik dennoch nicht verselbständigen zu einem Allein-Zweck oder zu einer Ersatzreligion - oder gar zur Veranstaltung gegen den Gottesdienst. Liturgische Kirchenmusik gehört eindeutig in den Gottesdienst. Hier befinde ich mich im Rahmen meiner Wuppertaler Kantorentätigkeit zum Glück in einer „komfortablen“ Lage.

Was motiviert Sie zu Ihrer umfangreichen Konzerttätigkeit?

Es reizt mich einfach, Musik und Kirchenmusik zu den Menschen zu bringen und diese Begegnung mit den Menschen intensiv zu erleben. Es geht mir vor allem darum, die Ohren und die Herzen der Menschen zu erreichen und zu öffnen - zumal viele der Werke ja textgebunden sind und biblische Worte in Oratorien, Motetten oder geistlichen Liedern vermitteln.

Wodurch ergibt sich für Sie eine Verwandtschaft zwischen Kirchenmusik und Operette - oder gar zur Oper?

Ich möchte mich als „Kirchenmusiker mit Operetten-Erfahrung“ bezeichnen - jetzt nicht nur beruflich, sondern auch biografisch als Teil meines Lebens. Hierfür gibt es auch in der Musikgeschichte zahlreiche Beispiele wie etwa der aus Köln stammende Jacques Offenbach, der ursprünglich ausgebildeter Kirchenmusiker war. Seine rheinischen Wurzeln des „wahren Glaubens“, wie man hier so sagt, hat er ja nie verleugnet. Trotzdem ließ er dann vor diesem biografischen Hintergrund in seinen Operetten die Tanzbeine schwingen und die Röcke der Mädchen und Frauen hochfliegen. Und wir kennen ja alle diese manchmal makabre, sentimentale, oft aber die Herzen und Tiefenschichten der Menschen öffnende Unterhaltungsmusik. Und genau hier treffen sich auch Kirchenmusik, Operette und Oper:

Hier liegt die Seelenverwandtschaft im Öffnen der Herzen, die Menschen in ihren persönlichen Lebensgefühlen ansprechen kann und verwandelt. Eine thematische Verwandtschaft ist es in der Regel nicht. Gut, wir kennen Opern wie etwa „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni. Da werden kirchenmusikalische Elemente wie die Orgel oder der Chor in der Osterszene - ja sogar religiöse Texte gesungen, weil es zur Dramaturgie und Inszenierung passt. Oder auch mein hochverehrter Richard Wagner: Er hat in vielen seiner Opern pseudoreligiöse Elemente verwendet, bis hin zu seinem „Parsifal“. Oder wenn wir zum nächsten Programmpunkt unserer Musikeinlagen kommen - es ist die Komposition „Der Lattenzaun“ (nach einem Text von Christian Morgenstern) des Düsseldorfer Komponisten Jürg Baur (1918-2010), der als Kantor hier in Unterrath begann, die Robert Schumann Hochschule leitete und ein sehr rheinisch-humorvoller, herzlicher und zu Herzen gehender Mensch und Komponist war. Er verstand es, mit seiner modernen Tonsprache die Ohren und Herzen zu öffnen.

 
Thorsten Pech: „Ich erlebe mich in einer großen Dankbarkeit gegenüber dem, was ich durch meine Lehrer, Professoren und befreundeten Musikerkollegen erfahren habe und erlernen konnte – und dem, was ich beruflich tue und bin.“

Welche Bedeutung hat für Sie die Musik in ihrem Verhältnis zum Ritual?

Hier kommt es auf den Blickwinkel zum Ritual an - ist es also ein religiöser Kontext, oder handelt es sich um den Verlauf einer Oper, die ja durchaus etwas Rituelles an und in sich hat? Zum Besuch einer Oper gehört ja auch das ganze „Drum und Dran“, wie die besondere Kleidung, die Suche nach einem geeigneten Parkplatz usw. dazu. Das ist ja auch eine wiederholte Inszenierung. Jede Oper scheint so als Ritual konzipiert zu sein. Und so gehört auch die Kirchenmusik zum Ritual eines Gottesdienstes oder einer Messe wesentlich dazu. Ob der rituelle Teil als Wandlung und Verwandlung in der Durchführung auch gelingt, ist dann eine ganz andere Frage.

Bei „Musik im Gespräch!“ zum Thema „Musik und Demenz“ beschrieben Sie als Teilnehmer im Publikum die Bedeutung von Musik_/_Kirchenmusik für Menschen mit Demenz?

Ich mache immer wieder die Beobachtung, dass sich Menschen, bei denen man dementielle Veränderungen bemerkt, sehr wohl und besonders durch Musik erreichen lassen. Ich komme gerade von einer Chorprobe: Mitglied ist u.a. eine 92jährige Dame, die immer noch aktiv an dem Gemeindesingkreis teilnimmt. Ich begrüße sie jedesmal mit ihrem Namen, worauf sie erstaunt sagt: „Ach junger Mann, dass Sie meinen Namen kennen, ehrt mich aber!“ Es ist jedesmal der gleiche Satz. Und wenn dann die ersten Lieder gesungen werden, die die meisten Damen und Herren dieses Alters auswendig (mit allen Strophen!) kennen, die sie irgendwann in ihrer Kindheit oder Jugend gelernt haben, ist das schon großartig zu erleben, während ich da schon manchmal durchaus Mühe habe, mich an den genauen Wortlaut zu erinnern.

Nach dem Einsingen merkt man dann schon an den Gesichtszügen, wie diese sich aufhellen und lebendiger werden. Und nach der Chorprobe weiß besagte Dame auch meinen Namen wieder, an den sie sich bei der Begrüßung überhaupt nicht erinnern konnte. Sie erzählt dann auch, was sie alles Schönes in den letzten zwei Wochen gemacht hat. Und zwei Wochen später geht das Ganze - auch ein Ritual? - wieder von vorne los.

Es ist für mich ein großes Glücksgefühl, Menschen trotz zunehmender Grenzen über diesen musikalischen Weg zu erreichen und zu erleben, wie sie regelrecht aufleben. Und wie Musik diese Menschen ins Leben und die (Chor)Gemeinschaft zurückholt. Hier sehe ich gerade auch heute eine wichtige Aufgabe für uns Kirchenmusiker. Wenn ich zum Beispiel mit diesem Singkreis in ein Altenheim gehe, können Sie sich nicht vorstellen, wie glücklich diese Menschen sind und aufblühen, welches Vergnügen diesen Menschen solche Lieder machen wie „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerszeit“ oder „Lobe den Herren“. Die Betreuer erzählen mir dann, dass diese Menschen noch Wochen danach von ihrem Mitsingen begeistert sprechen. Und das geht - wieder aus eigener Erfahrung - auch sehr gut mit Melodien aus Opern und Operetten. Es war auch hierbei immer sehr anrührend, diesen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie zum Leben dazugehören.

Am 14. November geben Sie ein Konzert in der Düsseldorfer Neanderkirche unter dem Titel „Von Zeit und Ewigkeit“. Können Sie das Programmkonzept erläutern?

Dieses Konzert ist theologisch-geistlich ausgerichtet: Es geht um die Frage nach der Endlichkeit unseres Lebens und um Ewigkeit. Vor ein paar Tagen habe ich in einem geistlichen Wort gehört, dass die Unterscheidung „Diesseits“ und „Jenseits“ gar nicht so wichtig sei, weil wir auch schon in unserem Diesseits eine Ewigkeit haben - gemeint als Zwischenstation zum weiteren ewigen Leben. Das ist genau die Idee, auf die unser Konzertprogramm hinzielt und deutlich machen soll. Es wird das Bedenken an unsere Zwischenstation hier auf Erden sein. Zum Beispiel in einer Motette von Max Reger nach einem Text von Matthias Claudius „Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit und alle Welt vergeht in ihrer Herrlichkeit“. Danach kommt dann sofort die Auflösung mit Mendelssohn und einer Psalm-Motette und zum Schluss als Überhöhung ganz schlicht der Schlusschoral aus der Johannespassion „Ach Herr, lass dein lieb' Engelein“ - also eine Apokalypse all dessen, was vorher zu hören war.

Welche beruflichen Wünsche haben Sie an die Zukunft?

Ich fühle mich noch nicht in der Endrunde, habe aber die Mitte des Lebens schon überschritten, begehe in zwei Jahren mein 40jähriges Dienstjubiläum als Kirchenmusiker und möchte meinen Beruf in seiner ganzen Vielfalt und Vielseitigkeit - vielleicht mit wenigen Kürzungen oder Konzentrationen auf Wesentliches - gerne und noch möglichst lange ausführen. Verbunden ist damit die Hoffnung, dass viele, vor allem auch jüngere Menschen weiter diese klassische Musik - dieses kostbare Welterbe - so verinnerlichen und sich begeistern lassen - um es dann weiterzugeben, so dass es sie in fünfzig oder hundert Jahren vielleicht oder hoffentlich auch noch gibt.

Das Gespräch führte
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg
am 29.09. in der Musikbibliothek Düsseldorf

LINKS
www.thorsten-pech.com
www.bachverein-duesseldorf.com
www.konzertchor-wuppertal.com
www.musikamkolk.com

 
Als musikalische Einlagen dirigierte Thorsten Pech ein besonderes Programm mit Chorwerken.

Konzertprogramm: Musikeinlagen während des Interviews

Felix Mendelssohn Bartholdy, 1809–1847: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt” – Motette nach Psalm 100 für 4–8 Stimmen

Johann Sebastian Bach, 1685–1750: „Alleluja“ aus der Motette Lobet den Herrn, alle Heiden BWV 229

Johannes Brahms, 1833–1897: „Der bucklichte Fiedler – ein rheinisches Volkslied“

Jürg Baur, 1917–2010 (Düsseldorfer Komponist): „Der Lattenzaun” aus den Galgenliedern von Chr. Morgenstern

Felix Mendelssohn Bartholdy, 1809–1847: „Jagdlied” aus 6 Lieder op. 59

Robert Schumann, 1810–1856: „Schön Rohtraut“ aus Romanzen und Balladen

Thorsten Pech, *1960: „Swing low” American Spiritual