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Manchmal hilft auch Beten!

Manchmal hilft auch Beten!

Prof. Dr. Hartwig Frankenberg
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

So werden Tippfehler zu Star-Ikonen: Manche bürgerliche Namen von Musikern oder Schauspielern sind einfach zu lang oder viel zu kompliziert, um den Fans im Gedächtnis haften zu bleiben – oder sie sind schlichtweg Fehler mit kuriosen bis kreativen Folgen. So passierte es Stefani Joanne Angelina Germanotta, wie die 1986 geborene US-amerikanische Sängerin mit komplettem Namen eigentlich heißt. Ihr Künstlername „Lady Gaga“ war nämlich ein Tippfehler ihres Musikproduzenten Rob Fusari: Wenn er ihre Gesangsharmonien mit denen des Queen-Sängers Freddie Mercury verglich, sang er jeweils, wenn die junge Sängerin ins Studio kam, „Radio Ga Ga“. Als Fusari ihr einmal eine SMS mit „Radio Gaga“ schrieb, machte die Autokorrektur seines Handys aus „Radio“ ein „Lady“ und die zukünftige Lady Gaga schrieb zurück „Das ist es!“.

So entstehen kreative Lösungen manchmal auch aus reinem Zufall – wenn Sie sich nicht durch gewitzte Überlegungen ergeben, wie in dem bekannten Märchen „Der Fuchs und die Gänse“ der Brüder Grimm:

Ein Fuchs kam auf eine Wiese, wo eine Herde schöner fetter Gänse saß. Da lachte er und sprach: „Ich komme ja wie gerufen, ihr sitzt hübsch beisammen, so kann ich eine nach der andern auffressen.“ Die Gänse gackerten vor Schreck, sprangen auf, fingen an zu jammern und kläglich um ihr Leben zu bitten. Der Fuchs aber wollte auf nichts verzichten und sagte: „Es gibt keine Gnade, ihr müsst alle sterben.“ Endlich fasste sich eine Gans ein Herz und sprach: „Sollen wir armen Gänse doch einmal unser junges, frisches Leben lassen, so gewähre uns die einzige Gnade und erlaube uns ein letztes Gebet, damit wir nicht mit unsren Sünden sterben. Hernach wollen wir uns in eine Reihe stellen, damit du dir immer die Fetteste von uns aussuchen kannst.“ „Ja,“ antwortete der Fuchs, „das ist eine fromme Bitte: Betet, ich will so lange warten.“ Also fing die erste ein recht langes Gebet an und sagte immer nur „Ga! ga!“ Und weil sie gar nicht aufhören wollte, wartete die zweite Gans nicht, bis sie an die Reihe kam, sondern fing auch an „Ga! ga!“ zu beten. Die dritte und vierte folgten ihr, so dass sie bald alle zusammen gackerten. Und wenn sie ausgebetet haben, soll das Märchen weitererzählt werden. Bis zur Stunde beten sie aber immer noch! Und der Fuchs? In seiner unnachgiebigen Art musste er schon sehr bald elendigst verhungern!

Dass Gänse wachsame, überaus kluge und sozial kompetente Tiere sind, kann man gewiss in dicken Büchern über Brauchtum und Mythologie nachlesen. Statt der lehrreichen Fabel haben sie sich vielerorts jedoch eher als leckere Martinsgänse für den Speiseplan im November herumgesprochen – so auch im Rheinland!

Hier lebt und arbeitet übrigens schon lange der in München geborene Klavierspieler Markus Goosmann, der seine Familiengeschichte bis nach Bremen ins Jahr 1410 zurückverfolgen kann. Zugleich weist er mit Stolz auf die Bedeutung seines Familiennamens hin: „Goosmann, das ist Niederdeutsch und bedeutet Gänsehirt!“, sagt er und schwärmt – weniger kulinarisch als nachhaltig und tierschützend – von seinem Wappentier!

Eine Gans als bekennende Zeichenträgerin: Der Schmetterling gilt als Symbol für die menschliche Seele und für ihr ewiges Leben. Eine solche Gans überlistet sogar den Teufel!
FOTO: © HEINKE HABERLAND

So löst sich – wieder einmal – das Bildrätsel auf dem Titel der vorliegenden Ausgabe: Das Foto der Gans mit Fliege – genauer: mit Schmetterling! – überreichte mir der Pianist bei den Vorbereitungen zum Interview als sein eigentliches, ganz persönliches Familienwappen. Das kecke Bild auf einer repräsentativen Klappkarte hatte ihm einmal die Düsseldorfer Künstlerin Heinke Haberland überreicht, die auch mit schönen Dingen handelt: www.haberland-antiques.de. Bei ihr bedanken wir uns gerne für die Möglichkeit des Abdrucks.

Das Interview mit Markus Goosmann durfte corona-bedingt leider nun schon zum dritten Mal nur im stillen Kämmerlein seines großen Studios im Düsseltal stattfinden – und nicht wie jetzt endlich wieder ab September 2020 in der Düsseldorfer Musikbibliothek! Aber wenn Ihnen jemand eine Geschichte erzählt, und Sie halten das alles ungeprüft für Unsinn, müssen Sie ja nicht gleich sagen: „Ach, das ist doch alles nur ga-ga!“

Herzliche Grüße – auch von dem Leiter der Düsseldorfer Musikbibliothek, Herrn Thomas Kalk –


Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

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Titelgrafik: Michel Schier, Düsseldorf