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(01/02 2016)

Wie aus einfachen Geräuschen hohe Kunst werden kann!

Wie aus einfachen Geräuschen hohe Kunst werden kann!

 
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Bekanntlich findet die Reihe „Musik im Gespräch!" alle 8 Wochen in der Düsseldorfer Musikbibliothek statt, während die gedruckte Version der Interviews 4 Wochen später in unserem Konzertkalender erscheint. In der Ausgabe 01/02 2016 (Seite 14–21) stellen wir den Düsseldorfer Komponisten Christian Banasik (www.christian-banasik.de) vor, der sich am 1. Dezember 2015 bereitwillig den Fragen rund um sein Werk präsentierte. Zu diesem Werkstattgespräch, an dem sich auch das Publikum lebhaft beteiligte, hatte er den Pianisten Udo Falkner mitgebracht. Aus Banasiks Sammlung „Kurzgeschichten" (1986/92) spielte er verschiedene Klavier-Kompositionen, während an diesem Abend sonst die Musik in Verbindung mit computer-generierten Klängen im Mittelpunkt stand.

Das Gesamtwerk des Zeitgenossen Christian Banasik ist sehr vielfältig und äußerst prominent – es spricht sogar auch unsere Gefühle an! Ungewöhnlich sind ebenso seine schöpferischen Prozesse, wenn er etwa in seinem Stück „Glass Cutter" (2003) Klänge ganz gewöhnlicher, alltäglicher Küchengegenstände wie Kaffeetassen, Gläser und Teller verwendet und sie mit elektronischen Mitteln so bearbeitet und dramaturgisch gestaltet, dass dabei eine fast tänzerische Komposition entsteht, die sich auch auf die Ohren klassischer Musikerfahrung sehr belebend auswirken kann.

Ein anderes interessantes Stück nennt sich „Trimer" (2001/03), dessen Struktur „aus der Polyphonie dreier miteinander verflochtener Linien gleicher Klangfarbe besteht." Als Klangerzeuger diente ein „Toy Piano" genanntes Kinderklavier, bei dem Stahlstäbe über die Tastatur angeschlagen werden. Auch hier wurden die Töne und Klanglinien elektronisch verändert, so dass sich beim Hören ebenso eine emotionale Wirkung einstellt. Das Stück ist dem Pianisten Bernd Wiesemann (1938–2015) gewidmet und wurde von der Düsseldorfer Grafikdesignerin Gabriele Wittke mit großer synästhetischer Empathie in eine grafisch-filmische Klangstruktur umgesetzt. Einen Ausschnitt daraus finden Sie als Bild-Vignette auf der äußeren Umschlagseite des Konzertkalenders 01/02 2016 und oben auf dieser Seite.

Wie bei aller Kunst, so gibt es erst recht in den zeitgenössischen Werken – auch der Musik – keine Aussage, die direkt hinter der eigentlichen Komposition liegt und sich wie bei einem fremdsprachlichen Text 1:1 übersetzen ließe. Man sollte sich in erster Line auf das Werk, die Musik und den Klang einlassen. „Verstehen" meint, sich auf eine Beziehung mit dem Kunstobjekt einzulassen, sich etwas Neuem so vorurteilsfrei wie möglich zu öffnen – dann folgt auch meist das Verstehen!

Herzliche Grüße –
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Editorial

Titelgrafik: Michel Schier, Düsseldorf