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Editorial

Wie sich der Glanz auch im Fremden entdecken lässt!

Wie sich der Glanz auch im Fremden entdecken lässt!

 
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Ein Mann um die 50 steht um die Mittagszeit in der hohen Julisonne vor einem verlassenen, vor sich hin träumenden, bröckelnden, von der Natur schon teilweise überwucherten Haus, einer klassizistischen Villa, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut sein könnte – er ist fasziniert von dem Anblick der verlorenen Schönheit. Mit seinem Handy macht er ein paar Aufnahmen, geht zu seinem Hotel, nimmt sein Laptop, setzt sich an den Pool und schreibt eine Geschichte, deren Inhalt wir (noch) nicht kennen. Zwei Monate später, schon längst wieder zuhause, hat er das Gefühl: „Ich glaube, ich hab’s!“ und hat das Manuskript wie einen Schatz erst einmal zur Seite gelegt – vielleicht findet sich ja ein Verlag.

Der Autor, Thomas Gabrisch, ist Musiker, Dirigent und als Professor Leiter der Opernklasse an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, der seit 2011 zweimal pro Jahr in Havanna (Kuba) Konzerte dirigiert. Das kleine Bildchen auf der Titelseite unseres Konzertkalenders ist ein quadratischer Ausschnitt von Kubas Staatsflagge, die sich das Land nach der Befreiung von der spanischen Vorherrschaft 1902 gab und seitdem von den Menschen – trotz aller politischer und wirtschaftlicher Unruhen – konsequent hochgehalten wird. Das Hoheitszeichen könnte einst auf dem nun trauernden Haus (s. o.) geweht haben – voller Stolz über die gewonnene Unabhängigkeit, voller Vitalität und Lebensfreude.

Gabrisch, der in Havanna Ende Oktober 2017 zwei brillante Konzerte – Mahlers Zweite und Mozarts Requiem – mit Bravour gab, hatte diesmal eigens seinen Konzertchor Ratingen über den Atlantik mit sich geführt. Und nicht nur dies: Vor Ort bezog er kubanische Chorsänger, zwei Sinfonie-Orchester sowie einen kubanischen Solo-Geiger in die musikalische Arbeit mit ein, was trotz sprachlicher Unterschiede völlig problemlos, intensiv und herzlich gelang. Thomas Gabrisch: „Auch in der für uns Europäer exotisch anmutenden Karibik, mit der man hier vor allem weiße Sandstrände und Palmen verbindet, gibt es herausragende musikalische Talente!“

Gerade einmal 4 Wochen später begrüßten wir den Dirigenten als Interviewgast in der Reihe „Musik im Gespräch!“ und konnten ihn über sein Leben als Musiker, Chor- und Orchesterleiter sowie als Hochschullehrer – und natürlich über seine jüngste Konzertreise – ausgiebig befragen.

Dabei zeigte sich, dass er als eifriger Studierender von Musikpartituren und Opernlibretti nicht nur ein Gespür für verborgene oder verschüttete Schönheiten hat (wie bei dem alten Haus in der karibischen Mittagssonne), sondern sich von seiner Fantasie illustre Charaktere von Figuren und deren Zusammenspiel vors innere Auge führen lässt. Bewusst lässt er sich vom Fremden und Ungewöhnlichen gerne inspirieren.

Herzliche Grüße –
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

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Titelgrafik: Michel Schier, Düsseldorf

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