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(03/04 2016)

Wie Wünsche in Erfüllung gehen!

Wie Wünsche in Erfüllung gehen!

 
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Ein Ratgeber in Sachen Glück sind wir hier nicht. Aber es gibt Erfahrungen, wie sich Wünsche zum Glück hin entfalten und langsam erfüllen können:

Als die heute 18jährige Geigerin Judith Stapf aus Rheinbach (bei Bonn) einst als kleines Kind von noch nicht einmal 3 Jahren bei einer Orchesterprobe in der ersten Zuschauerreihe zu Füßen der musizierenden Geiger saß, wurde das Mädchen von dem unbedingten Wunsch überfallen, Geige zu spielen. Nun gut, als Erwachsene kennen wir das, wenn Kinder manchmal ganz plötzlich von einer Idee überwältigt werden, die sich nach ein paar Stunden oder Tagen wieder rasch verliert. Nicht jedoch bei Judith, die nach dem Erweckungserlebnis ihre Eltern, ein Musiker-Ehepaar, so lange nervte, bis sie mit 3 Jahren nicht nur ihre erste Geige, sondern auch Einzelunterricht erhielt.

Bis hier hin könnte sich der Bericht noch wie eine Familien-Anekdote lesen, die im privaten Kreis unter leicht spöttischem Schmunzeln gelegentlich die Runde macht. Allerdings wird dies in der näheren und weiteren Umgebung von Judith Stapf niemals passieren, denn ihr Wunsch war keine kindliche Eintagsfliege: 15 Jahre später konzertiert sie (auch in Düsseldorf) in renommierten Konzertsälen, zusammen mit bekannten Orchestern und prominenten Dirigenten.

Kammermusikalisch tritt sie auch oft zusammen mit ihrem Vater auf, dem Pianisten Wolfgang Klein-Richter. Am 2. Februar hat sie uns im Rahmen der Interview-Reihe „Musik im Gespräch!" ihre Geschichte ausführlich erzählt, die wir nun im aktuellen Konzertkalender abdrucken. Dieses Lese-Interview ist und bleibt jedoch ein schwacher Abglanz gegenüber dem Live-Abend in der Düsseldorfer Musikbibliothek: Judith Stapf griff zwischendurch immer wieder zu ihrer wunderbaren Guarneri von 1663, um von ihrem Vater am Flügel begleitet, oder auch im absoluten Solo, das dankbare Publikum nur mit den höchsten und feinsten musikalischen Klängen zu begeistern! Das gedruckte Musikprogramm finden Sie direkt am Ende des Interviews.

Judith Stapf arbeitet äußerst überzeugend, konsequent und bewusst an ihrer Karriere. Und wir dürfen weiter gespannt sein: Ihre Erfolge gelten nicht nur ihr selbst, sondern entstehen im bewussten Dialog und Kraftschluss mit dem Publikum, wie sie im Gespräch immer wieder betont. Goethe hätte daran sicher auch seine helle Freude gehabt, als er dem jungen, zerknirschten Philosophen Schopenhauer am 8. Mai 1814 ins Stammbuch schrieb: „Willst du dich deines Wertes erfreuen, so musst der Welt du Wert verleihen." Von Selbstbewusstsein und Weitblick kündet auch das kleine Rätselbild. Es zeigt den seitlichen Blick auf den stolzen und aufrechten Schneckenkopf einer Geige.

Herzliche Grüße –
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Editorial

Titelgrafik: Michel Schier, Düsseldorf