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(07/08 2016)

Der Unterschied: Talente haben – Talente zeigen – Charakter entwickeln!

Der Unterschied: Talente haben – Talente zeigen – Charakter entwickeln!

 
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war nicht nur ein fleißiger und begnadeter Dichter längst weltbekannter Werke, nicht nur ein – mit diplomatischem Geschick – einflussreicher Freund und Minister seines Landesherrn Herzog Carl August, sondern auch ein hoch differenzierender, kontaktfreudiger und vielgereister Menschenkenner.

In seinem Schauspiel „Torquato Tasso", das nach seiner ersten Italienreise (1786/88) entstand, die er als „Wiedergeburt" seiner selbst erlebte, fällt im ersten Akt, zweite Szene, ein denkwürdiger Satz, der von Leonore, eine der Hauptfiguren, gesprochen wird:

„Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt."

Diese Erkenntnis aus dem umfassenden, von der Anschauung her geprägten, gegenständlichen Denken Goethes könnte ebenso auch über dem Eingangsportal einer jeden Schule oder Hochschule stehen, werden die beiden Begriffe „Talent" und „Charakter" hier doch nicht nur kontrastiv, sondern auch in Abhängigkeit aufeinander bezogen.

Viele tausend junge Menschen, Kinder und Jugendliche, mit großen musikalischen Talenten, haben so in den letzten Wochen und Monaten wieder an vielen Musikwettbewerben in Deutschland teilgenommen – z.B. am 53. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" auf regionaler, landesweiter und bundesweiter Ebene (Kassel), am 9. „Deutschen Orchesterwettbewerb" in Ulm* oder am 13. Gerd-Högener-Wettbewerb der Clara-Schumann-Musikschule Düsseldorf. Auf hohem Niveau zeigten hier überall die jungen Musiker ihr Können – ihre Begabungen und Talente, meist liebevoll reisebegleitet von ihren engagierten und einfühlsamen Lehrern.

Charakter (s.o. Goethe) zeigten sie oft ansatzweise nicht nur in Kostüm- und Programmauswahl, sondern in ihren frühen künstlerischen Versuchen der Werkdeutung. So wird jeder ihrer weiteren öffentlichen Auftritte im kleinen oder großen Konzert, vor kleinem oder großem Publikum, ihre Talente fördern und vertiefen. Nur so lässt sich ihre Persönlichkeit ein Leben lang zum individuellen Charakter formen, der die öffentliche Präsentation und Auseinandersetzung nicht scheut – sondern sucht.

Das Interview in der Mitte des Heftes mit Peter Haseley, dem Direktor der Clara-Schumann-Musik-Schule Düsseldorf, wird auch Erhellendes zum Thema Musikwettbewerb" beitragen!

Herzliche Grüße –
Prof. Dr. Hartwig Frankenberg

* Erster Preis: Cello-Orchester „Cellissimo" von der Musikschule Krefeld unter der Leitung von Julia Polziehn.

Editorial

P.S. Die Bildvignette zeigt Clara Schumann in einem diskreten und zartfühlenden Porträt-Ausschnitt des Malers Franz von Lenbach (1836-1904).

Titelgrafik: Michel Schier, Düsseldorf